stadtmatrosin

ich bin in mondlosschwarzer nacht erwacht
ein sturm hat mich hinaus aufs weite meer gebracht
ich spüre wie die wogen brausend schäumen
und höre tief im wasser wie die fische träumen
der regen schlägt in wellen an die scheiben
ich möchte immer nur matrosin bleiben
sanft gewiegt von einem ungestümen meer
tanzt das kanu meiner träume leise hin und her
kein ruder und kein segel braucht mein kahn

ich komme immer ganz von selbst zu hause an
reibe mir die augen, blinzle scheu ins licht
hier ist kein meer und auch matrosin bin ich nicht
das wilde wüten dieses sturmes ist verflogen
blasses blau hat sich über das land gebogen
ein neuer tag in einer neuen stadt am fluss
ich werfe in das wellengrau matrosins kuss.

 

Träumen…

VON EINER STADT

Ich möchte einmal in einer Stadt leben, in der ich die Fremde bin, denkt sie. Meine wilden Locken werden anders springen als die Locken auf den Köpfen der Menschen dieser Stadt; und ihr Braun wird fremd sein, ein bisschen zu hell und ein bisschen zu satt. Das Grün meiner Augen wird die Menschen an Dinge erinnern, die sie nicht kennen, an fremde Spiegelseen und unbekannte Pflanzensprösslinge. Meine Haut wird auf eine andere Art in der Sonne schimmern. Die Art wie ich gehe, wird mich kennzeichnen. Die Schritte ein bisschen kürzer, ein bisschen tänzelnder. Mein Rock wird ein bisschen, gerade ein bisschen anders um meine Beine flattern, als die Röcke dieser Stadt um die Beine der Frauen dieser Stadt. Die Menschen auf der Straße werden mir nachschauen, und ich werde sie bitten, langsamer zu sprechen, und sie werden mit jeder Wiederholung schneller und eindringlicher reden. Wir werden mit unseren Armen und Blicken sprechen und uns schlussendlich verstehen, vielleicht. Oder uns umdrehen und uns fremd fühlen, beide gleichermaßen.

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Ich möchte einmal fortgehen, schweigt sie, und zurückkommen. Und nicht wissen, wohin ich gehöre. Nicht wissen, wo mein Platz ist. Fremde und Zuhause verwechseln. Beides möchte ich lieben lernen, denkt sie. Ich möchte die Grenzen aufbrechen, zwischen so und so, zwischen eigen und anders. Ich möchte meinen Blick neu schleifen. Ich möchte sehen, dass in jeder Stadt jeder Rock für sich um die Beine jeder Frau flattert, dass an jedem Kopf die Locken anders springen, dass jeder Traum in eigenen Farben gemalt ist, dass jedes Lachen das schönste und jede Liebe die einzige wahre große ist, zumindest für einen Moment.

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Ich möchte einmal in einer Stadt leben, in der kein Mensch ist wie der andere, in der niemand fremd ist, denkt sie, und alle sich zu Hause fühlen können.

Ich möchte das Wort fremd aus meinem Wortschatz entfernen, ruft sie laut. Die Fahrt ist zu Ende. Sie ist am Ziel. Und hier wartet eine neue Stadt.

Herbst…

2014-09-28 15.01.19klGRAU

farbloser morgen
malt wolken über die stadt
und krähenschwärme

BUNT

schwere feuchte luft
farbflecken im nebelspiel
laub bedeckt den weg

Angekommen! Angekommen?

Der Morgen fließt so sanft dahin
schwarzer Tee klebt zäh an meinen Träumen
zerrt mich herüber ins Wachsein
vor dem Fenster ist die Stadt schon erwacht
grauer Morgen hängt in den Baumkronen
Lichteraugen blinzeln durch Nebelfetzen
neue Kälte kriecht durch die Mauern
über allem entspinnt sich ein Lied
das den Tag in meine Farben kleidet
ich und ich reden uns Mut zu
und schwimmen hinaus in den
Strom der neuen Stadt

2014-09-24 13.55.18kl

 

BLICK AUS DEM FENSTER

hoch über der stadt
golden glänzt der neue tag
mein kleiner palast

 

Texte & Musik in Kirchberg am Wagram

IMG_20140914_120047_korrZauberworte
Eine musikalische Lesung zum Geburtstag

Wann: Sa, 13. September 2014, 16:00
Wo: Weinlokal Weritas, Kirchberg am Wagram
Was: Lesung & Musik
Wer: Marlies Thuswald & Markus Faymann

Danke für die liebevolle Organisation und Betreuung vor und während der Veranstaltung!

Bus Bim Slam in Wien

IMG_20140619_195710klAm 19. im 19. um 19 Uhr

Wann: Do, 19.6.2014, 19 Uhr
Wo: Peter-Jordan-Str. – Dänenstr. (Wien, 19. Bezirk)
Was: Poetry Slam
SlammasterInnen: Andi Pianka & Melamar
SlammerInnen: Alice Reichmann, jopa, Marlies Thuswald, …

Mein erster Bus Bim Slam ist geschlagen. Mit 36 Punkten, schaffte ich es zwar knapp nicht ins Finale, aber die Stimmung war toll und die Erfahrung, im öffentlichen Raum zu slammen, ist mein persönlicher Hauptpreis. Danke allen, die dabei waren!

Fotos & Nachbericht

Literarisches Konzert in Wieselburg

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Foto: Karl Bernhart

VON KOPF BIS FUß…
Klangfarbenspiele im Frühling

Vielen Dank an alle, die dabei waren und diesen Abend zu so einem wundervollen Erlebnis werden ließen!

Plakat
NÖN Artikel

Programm:

Ein Abend mit Texten, die besondere Momente und Begegnungen sichtbar_hörbar_fühlbar machen, mit ausgewählten Lieblings_Liebesliedern gesungen von Klara Steinhauser, am Klavier orchestriert von Andreas Brencic und literarisch untermalt von Marlies Thuswald.

REGEN

dein
gesicht ist
vom himmel
gefallen in einem
mosaik aus abermillionen
tropfen und ich lag mit offenen
augen und erwartete deinen kuss

Anziehung

Ja,
deine Stimme
aus Goldstaub
zieht
an meinen Haaren
an meiner Angst
zieht mich
an der Nabelschnur
in den Schutz der Nacht
zieht mich aus
meiner Einsamkeit
in ein Zuhause
mit dir

Illusionen

„Was willst du einmal werden?“, fragten die Tanten den kleinen Boris. „Ich bin schon“, antwortete der kleine Boris und die Tanten ärgerten sich über seine Dummheit und ließen ihn zur Strafe hundertmal „Ich will reich werden“ schreiben. Und der kleine Boris ärgerte sich über die Dummheit der Tanten und dachte, dass er schon reich war, wann immer sie ihn in Ruhe ließen.

„Was willst du einmal werden?“, fragten die Väter die kleine Irina. „Größer“, sagte die kleine Irina. „Klüger, schöner, gesünder und glücklicher.“ Und die Väter runzelten nachdenklich die Stirn über so viel Unbescheidenheit und ließen sie zur Strafe hundertmal „Ich will eine gute Ehefrau werden“ schreiben. Und die kleine Irina ärgerte sich über die gerunzelten Stirnen der Väter und dachte, dass es nicht unbescheiden war, Träume zu haben, die Geld nicht kaufen konnte.

„Was bist du?“, wurde der kleine Boris gefragt, als er groß war. „Ich bin Künstler!“, sagte er dann. „Wo sind deine Bilder?“, fragten die Leute und verlangten sie zu sehen. Aber der große Boris lächelte nur und fühlte sich reich.

„Was bist du?“, wurde die kleine Irina gefragt, als sie groß war. „Ich bin frei!“, sagte sie dann. „Wo ist dein Ring?“, fragten die Leute und verlangten ihn zu sehen. Aber die große Irina lächelte nur und warf das weiße Kleid ins Feuer.

Eines Tages traf Boris Irina. Und am gleichen Tag zur gleichen Zeit traf Irina Boris. „Bist du allein?“, fragte Irina. „Nein“, sagte Boris. „Jetzt nicht mehr.“

Am gleichen Abend nahm Boris zum ersten Mal einen Pinsel in die Hand und schuf sein erstes Werk und das erste Werk vollendete den Künstler Boris. Und am gleichen Abend nahm Irina ihr Leben in die Hand und erlebte ihr erstes Glück und ihren ersten Schmerz und sie erlebte ihren ersten Schmerz und ihr erstes Glück.

„Wer hat das gemalt?“, fragte der Gallerist und starrte fassungslos auf das Bild an der Wand. Das Bild aber schwieg und verriet seinen Schöpfer nicht. „Das ist ein wahrer Künstler!“, rief ein Kritiker. „Man möge sein Gewicht mit Gold aufwiegen und ihn ins Gefängnis stecken, damit er der Menschheit nicht verloren gehe!“

„Wer hat das getan?“, fragte der Gefängniswärter und starrte fassungslos auf das Loch in der Zellenwand. Aber das Loch schwieg und verriet seine Schöpferin nicht. „Das war die Freiheit!“, flüsterte ein Häftling ergriffen. „Man möge ihr Federn schenken, damit sie der Menschheit für alle Zeit entkomme!“

Boris und Irina und Irina und Boris. Nur ein Stück Ufer und zwei verflochtene Hände und langsame Schritte. „Du bist ein Künstler!“, sagt Irina. „Ich bin“, sagt Boris. „Du bist schön!“, sagt Boris, „Und du bist klug.“ „Ich bin keine gute Ehefrau“, sagt Irina. „Ich bin glücklich.“

Brombeerkratzer an den Beinen, Mückenschwärme im Abendrot. Zwei unsichtbare Schatten befreien sich, fliegen davon. „Halte meine Hand“, sagt Irina. „Aber halte mich nicht fest.“ „Gib mich frei“, sagt Boris. „Aber lass mich niemals los.“ Die Sterne blinzeln von allen Seiten. Und alle Saiten klingen im Nachtwind. Das Bild verfließt, die Erde verschwimmt, die Welt wird klein und bedeutungslos.

Boris will Irina küssen. Irina küsst Boris. Ein Kuss verbindet Irina und Boris, weil Boris Irina liebt, weil Irina Boris liebt. Und die Einsamkeit Illusion geworden ist…