Österreichische Literatur….

… TRIFFT SERBISCHES PUBLIKUM

Im Rahmen unserer Praktika führten Raphaela Freudenberger (Belgrad) und ich ein gemeinsames Projekt durch, um aktuelle österreichische Literatur nach Serbien zu holen. Im Zentrum stand der Roman “Das Fell der Tante Meri” (Picus 2014) der österreichischen Autorin Theodora Bauer, den wir in Workshops mit Germanistikstudierenden der Universitäten in Belgrad und Novi Sad sowohl inhaltlich als auch geschichtlich und sprachlich unter die Lupe nahmen.DSC03939 (1)

Am 3. und 4. Dezember fanden dann Lesungen der Autorin selbst an der Philosophischen Fakultät Novi Sad und in den Räumlichkeiten des Österreichischen Kulturforums in Belgrad statt. Im Anschluss hatten die Zuhörer_innen jeweils die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit der Autorin ins Gespräch zu kommen.

Sowohl die Organisation und Planung von Workshops und Lesungen als auch die tatsächliche Durchführung, die spannenden Diskussionen mit der Autorin und das positive Feedback der Beteiligten haben mich um viele wertvolle Erfahrungen und schöne Erinnerungen  reicher gemacht.

Zur Pressemeldung

Foto: Jemma Hoare

stadtmatrosin

ich bin in mondlosschwarzer nacht erwacht
ein sturm hat mich hinaus aufs weite meer gebracht
ich spüre wie die wogen brausend schäumen
und höre tief im wasser wie die fische träumen
der regen schlägt in wellen an die scheiben
ich möchte immer nur matrosin bleiben
sanft gewiegt von einem ungestümen meer
tanzt das kanu meiner träume leise hin und her
kein ruder und kein segel braucht mein kahn

ich komme immer ganz von selbst zu hause an
reibe mir die augen, blinzle scheu ins licht
hier ist kein meer und auch matrosin bin ich nicht
das wilde wüten dieses sturmes ist verflogen
blasses blau hat sich über das land gebogen
ein neuer tag in einer neuen stadt am fluss
ich werfe in das wellengrau matrosins kuss.

 

Träumen…

VON EINER STADT

Ich möchte einmal in einer Stadt leben, in der ich die Fremde bin, denkt sie. Meine wilden Locken werden anders springen als die Locken auf den Köpfen der Menschen dieser Stadt; und ihr Braun wird fremd sein, ein bisschen zu hell und ein bisschen zu satt. Das Grün meiner Augen wird die Menschen an Dinge erinnern, die sie nicht kennen, an fremde Spiegelseen und unbekannte Pflanzensprösslinge. Meine Haut wird auf eine andere Art in der Sonne schimmern. Die Art wie ich gehe, wird mich kennzeichnen. Die Schritte ein bisschen kürzer, ein bisschen tänzelnder. Mein Rock wird ein bisschen, gerade ein bisschen anders um meine Beine flattern, als die Röcke dieser Stadt um die Beine der Frauen dieser Stadt. Die Menschen auf der Straße werden mir nachschauen, und ich werde sie bitten, langsamer zu sprechen, und sie werden mit jeder Wiederholung schneller und eindringlicher reden. Wir werden mit unseren Armen und Blicken sprechen und uns schlussendlich verstehen, vielleicht. Oder uns umdrehen und uns fremd fühlen, beide gleichermaßen.

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Ich möchte einmal fortgehen, schweigt sie, und zurückkommen. Und nicht wissen, wohin ich gehöre. Nicht wissen, wo mein Platz ist. Fremde und Zuhause verwechseln. Beides möchte ich lieben lernen, denkt sie. Ich möchte die Grenzen aufbrechen, zwischen so und so, zwischen eigen und anders. Ich möchte meinen Blick neu schleifen. Ich möchte sehen, dass in jeder Stadt jeder Rock für sich um die Beine jeder Frau flattert, dass an jedem Kopf die Locken anders springen, dass jeder Traum in eigenen Farben gemalt ist, dass jedes Lachen das schönste und jede Liebe die einzige wahre große ist, zumindest für einen Moment.

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Ich möchte einmal in einer Stadt leben, in der kein Mensch ist wie der andere, in der niemand fremd ist, denkt sie, und alle sich zu Hause fühlen können.

Ich möchte das Wort fremd aus meinem Wortschatz entfernen, ruft sie laut. Die Fahrt ist zu Ende. Sie ist am Ziel. Und hier wartet eine neue Stadt.

Herbst…

2014-09-28 15.01.19klGRAU

farbloser morgen
malt wolken über die stadt
und krähenschwärme

BUNT

schwere feuchte luft
farbflecken im nebelspiel
laub bedeckt den weg

Angekommen! Angekommen?

Der Morgen fließt so sanft dahin
schwarzer Tee klebt zäh an meinen Träumen
zerrt mich herüber ins Wachsein
vor dem Fenster ist die Stadt schon erwacht
grauer Morgen hängt in den Baumkronen
Lichteraugen blinzeln durch Nebelfetzen
neue Kälte kriecht durch die Mauern
über allem entspinnt sich ein Lied
das den Tag in meine Farben kleidet
ich und ich reden uns Mut zu
und schwimmen hinaus in den
Strom der neuen Stadt

2014-09-24 13.55.18kl

 

BLICK AUS DEM FENSTER

hoch über der stadt
golden glänzt der neue tag
mein kleiner palast